Akuelles  
Liebe Patientin, lieber Patient,
kaum glaubt man, das neue Team eingearbeitet zu haben und beginnt sich als Praxisinhaber entspannt zurückzulehnen, da der gesamte Praxisablauf wieder wie gewohnt funktioniert,erreicht einen eine neue Hiobsbotschaft : die Erstkraft verlässt die Praxis mit nur vierwöchiger Kündigungsfrist zu einer Zeit, in der just die Ausbildung einer weiteren Arzthelferin zur Befähigung des Röntgens geplant ist, wofür ein ganztägiger, zweieinhalbwöchiger Kurs in Hamburg zu absolvieren ist, während dessen sie natürlich ebenso ausfällt wie dann die ehemalige Erstkraft. Dieses bedeutet, daß 50% des Personals ausfallen und zugleich bis zur Rückkehr der den Röntgenkurs besuchenden Arzthelferin nicht mehr geröntgt werden kann – eine milde Katastrophe! Wenn ich dann täglich das Drama um den Personalmangel beispielsweise bei der Post lese, wo insgesamt vielleicht 8-10% wegen Krankheit oder Sparmaßnahmen des Managements ausfallen, kann ich nur müde lächeln. Nun ja, auch dieses Problem konnte inzwischen durch erhebliches Engagement aller Beteiligten einschließlich meiner lieben Frau, die immer wieder personell einspringt, weitgehend gelöst werden, sodaß ich hoffe, Ihnen längere Wartezeiten durch Personalmangel ersparen zu können. Traurig bleibt allerdings, daß die vom Arbeitsamt avisierten Bewerberinnen als Medizinische Fachangestellte bzw. Arzthelferin seit Jahren einfach gar nicht vorstellig werden, das soziale Netz ist dermaßen hoch geknöpft, daß sie offensichtlich ohne zu arbeiten kaum weniger Geld zur Verfügung haben, als wenn sie dies täten und scheinbar drohen hierbei auch keinerlei Kürzungen der Arbeitslosenhilfe.

Nachvollziehen kann ich dies nicht, noch weniger, da jeder weiß, wie viele Überstunden täglich vom ärztlichen Personal geleistet werden, um den Patienten gerecht zu werden, von meiner 60-Stunden-Woche ganz zu schweigen.

So weit, so gut, aber bald ist Weihnachten und im nächsten Jahr soll ja alles besser werden, nicht wahr?

Eine entspannte Weihnachtszeit im Voraus wünscht Dr.Bajer.

Zeven, den 1.11.2017


Liebe Patientin, lieber Patient,
mittlerweile schreiben wir 2017 und die Personalsituation hat sich völlig unerwartet nochmals dramatisch verschlechtert, nachdem ich damals zwei ausgezeichnete Arzthelferinnen einstellen konnte, die auch gleich bereit waren, den notwendigen Strahlenschutzkurs zu absolvieren, um für Sie Röntgenaufnahmen anfertigen zu dürfen, was beiden in kürzester Zeit mit Bravour gelang!

Aber - man glaubt es nicht - trotz hervorragender Mitarbeit und Bewährung, reibungsloser Aufnahme in das Team und tägliche Anerennung ihrer geschätzten Mitarbeit durch meine Wenigkeit und die Patienten, die ausnahmslos voll des Lobes waren, entschlossen sich beide nach viel zu kurzer Zeit, der Liebe wegen meine Praxis wieder zu verlassen, um ihren Männern in andere Bundesländer zu folgen: was soll man dagegen machen?
Nichts, also alles nochmal von vorn, wochenlange Anzeigenserien, Meldung freier Stellen am Arbeitsamt, diverse Bewerbungsgespräche, etc.

Nun sind wir wieder komplett und ich freue mich, mein aktuelles Team vorstellen zu können.

Zeven, den 28.4.2017


Liebe Patientin, lieber Patient!
Das Jahr 2014 hat völlig unerwartet immense Personalprobleme mit sich gebracht! Grund sind die beiden Schwangerschaften meiner beiden „langgedienten“ Arzthelferinnen ( heute korrekt „Medizinische Fachangestellte“ genann ), die mich geschlagene 13 bzw. 14 Jahre tatkräftig unterstützt haben, wofür ich mich auch im Nachhinein nochmals besonders bedanken möchte.

Weil nur Kinder die nächste Generation und damit unsere Zukunft sichern, brauchen wir junge Familien und müssen die beiden zusätzlich loben, auch wenn mir als Chef deren Kinderwunsch natürlich einiges Kopfzerbrechen bereitete – schließlich fallen innerhalb von einem halben Jahr zwei Vollblut-Arzthelferinnen aus!

Schließlich hat dann noch die Auszubildende auf eigenen Wunsch die ausbildende Praxis gewechselt.

Somit brauchte ich kurzfristig neue und möglichst erfahrene Mitarbeiterinnen, was allgemein wegen der rückläufigen Tendenz aller Kassenärzte, überhaupt noch auszubilden und speziell im orthopädischen Bereich mit der Besonderheit des Röntgens ein äußerst schwieriges Unterfangen darstellt.

Die Gründe für die mangelnde Ausbildungsbereitschaft der Kollegen ( ich bilde seit 20 Jahren regelmäßig aus ) liegen zum einen in der überbordenden Bürokratie und zum anderen in den Auszubildenden selber, die heutzutage mit ungewöhnlichen und kaum zu tolerierenden Ansprüchen ins Berufsleben eintreten wollen. Beispielsweise beklagte sich vor ca. zwei Jahren eine frisch eingestellte Auszubildende nach sechs Wochen, dass Ihr nach längerem Stehen die Füße weh täten, woraufhin sie kündigte! Eine weitere Auszubildende erwartete nach einigen Wochen sogleich ins Röntgen eingeführt zu werden, die anderen Arbeiten würden sie nicht so interessieren! Diese Dame habe ich dann rasch gekündigt.
Mit solchen Ansprüchen lässt sich natürlich „kein Staat machen“, wie es so schön heißt.

Letztlich bin ich fündig geworden und freue mich über die Neuzugänge in unserem Team: herzlich willkommen!


Zeven, den 24.10.2014
Dr. D. Bajer

Nach der Wahl ist vor der Wahl 2013?

Schwer zu sagen, derzeit haben ja die Koalitionsverhandlungen kaum begonnen und sicher ist nur, daß wir einen neuen Gesundheitsminitser/in bekommen werden.

Klar ist dagegen, daß sich personell bei uns einiges getan hat. Mehrere Anläufe, der heranwachsenden Jugend einen Ausbildungsplatz anzubieten, sind kläglich gescheitert. Das Anspruchsdenken scheint immens gewachsen zu sein. Eine Auszubildende wollte gleich in den ersten Monaten solche Tätigkeiten in der Praxis ausüben, die ihre Vorgängerinnen im dritten Jahr beginnen, eine weitere fühlte sich von der täglichen Arbeit über 8 Stunden lang nach wenigen Wochen "gestresst" und aktuell mußte ich erfahren, daß der Wert eines Ausbildungsplatzes wohl weiter gesunken sein muß: mein vorerst letzter Versuch, eine weitere Auszubildende einzustellen, endete trotz vorausgegangenem Praktikum nach nicht mal zwei Monaten mit der Begründung, sie habe sich nun doch für einen anderen Berufsweg entschieden!
Wahrscheinlich werde auch ich langsam alt und rede von der guten alten Zeit, aber so achtlos hat man noch vor 10 Jahren einen endlich ergatterten Ausbildungsplatz nicht verworfen.
Wundert es Sie, wenn ich mich nun in die vielen Arztpraxen einreihe, die seit Jahren überhaupt nicht mehr ausbilden, weil sie schon lange den Ärger satt sind, die gesamte Bürokratie mit Um- und Anmelden, seitenlangen Arbeitsverträgen, Bewerbungsgesprächen, Korrekturlesen der Berichtshefte, etc.,pp.?
Als Konsequenz wird die Ärzteschaft in einigen Jahren überhaupt keine Fachangestellten im Gesundheitswesen - früher Arzthelferin genannt - mehr einstellen können, da es keine mehr gibt!
Aber so ist das im Leben, Entscheidungen haben irgendwann Folgen.

So, nun habe ich mir den aktuellen Ärger ein wenig von der Brust geredet und werde morgen wieder gut gelaunt und freundlich wie immer in die Praxis gehen: die Patienten können schließlich am wenigsten dafür und dürfen hiervon auch nichts mitbekommen.


Zeven, den 25.9.2013 Dr.D.Bajer




Quo vadis, Gesundheitsreform?

Es ist immer wieder bestürzend, am eigenen Leib mitansehen zu müssen, wie Politiker über Generationen das Volk regelrecht belügen!
Was hat die neue Regierung ( vielleicht bald die alte ) unter Frau Merkel und Herrn Westerwelle mit Herrn Rössler alles versprochen und nicht nur nicht gehalten, sondern jetzt sogar schon in's krasse Gegenteil verkehrt?
Aufmerksame Leser erinnern noch Frau Schmidt's Antrittsbehauptung, unter ihrer Führung würden die monatlichen Krankenkassenbeiträge 12% nicht übersteigen, als sie abgewählt wurde, waren es 14,9%! Frau Merkel beteurte zusammen mit Herrn Rössler vor wenigen Tagen, die Krankenkassenbeiträge seien eingefroren bei 14,9% und am vergangenen Wochenende beschließt die gleiche Regierung, sie locker um 0,6% auf nunmehr 15,5% anzuheben, als besonderes Bonbon aber auch noch die erlaubten Zuzahlungsbeträge der einzelnen Kassen einkommensgestaffelt von bisher € 8,00 auf über € 80,00 ansteigen zu lassen.

Hintergehung der Wähler und Volksverdummung, mehr fällt mir zu diesem Vorgang nicht ein!

Warum gibt es unter den heutigen Politikern niemanden mehr, der zu seinem Wort steht, der verläßlich handelt, dem wir vertrauen könnten? Herr Westerwelle tritt mit der Hauptforderung einer Steuersenkung an und beschließt jetzt nach zögerlicher Umstimmung, darauf zu verzichten, mit einem mal eine Steuererhöhung!

Sollte ich Ihnen als Arzt auch heute sagen, die von Ihnen privat als sogenannte IGEL-Leistung zu tragenden Kosten für eine Akupunkturbehandlung Ihrer chronischen Kopf- bzw. Nackenschmerzen
werden von Ihrer Krankenkasse übernommen, worauf hin sie einwilligen und nach 3 Sitzungen schicke ich Ihnen doch eine Rechnung?
Moral und Glaubwürdigkeit scheinen bei vielen Mitbürgern in Vergessenheit geraten zu sein, auch wenn wir uns die Bankenkrise anschauen, ein Trauerspiel!

Noch kurz ein paar Sätze zum Dauerthema Akupunktur:

nachdem ich vor Jahren an der sogenannten GERAC-Studie teilnahm, in die nur große Akupunkturpraxen zur Überprüfung der Wirksamkeit dieser ausgezeichnet wirksamen Methode der Schmerztherapie aufgenommen wurden und die die überragenden Erfolge gegen sonstige Therapien bewies, übernahmen die Krankenkassen - übrigens Unternehmen mit Gewinn und Verlust, die keineswegs an den Patienten denken - die Kosten zur Behandlung nahezu aller Erkrankungen mit Akupunktur. Da dies aber zu immensen Ausgaben führte, weil viele Patienten von dem nachgewiesenen Erfolg hörten, wurden seitens der Krankenkassen peu á peu die möglichen Erkrankungen immer weiter reduziert, für die Akupunktur noch übernahmefähig war, erst nur noch für chronische Wirbelsäulen-, Knie- sowie HWS-Nacken-Beschwerden bzw. Migräne, dann auch nicht mehr für die Migräne. Zugleich wurden die Anforderungen an akupunktierende Ärzte dermaßen hochgesetzt, das teilnehmende Ärzte nunmehr an einer Prüfung sowie regelmäßigen Kolloquien und Fortbildungen teilnehmen müssen, obendrein werden viel größere frühere Ausbildungen nicht mehr anerkannt, andere müssen auch für erfahrene Ärzte nachgeholt werden, die schon Jahre für die Krankenkassen per Akupunktur behandeln. Alles dies ist seitgens der Ärzte privat zu bezahlen und dafür muß die Praxis wochenlang im Jahr geschlossen werden! Ein Irrsinn, was viele Ärzte dazu bewogen hat, die Teilnahme an der Akupunktur zu Lasten der gesetzlichen Krankenkasse aufzukündigen - so auch ich.

Einziges Ziel dieser desaströsen Politik der Krankenkassen ist die Kostensenkung, wenn weniger Patienten weniger Akupunkturleistungen bei den Krankenkassen einfordern, wird es für die Kassen billiger und sonst nichts.
Die Krönung setzt jetzt die Entwicklung in Bayern auf den Kopf: dort werden den noch teilnehmenden Ärzten die Behandlungskosten für die beiden verbliebenen Krankheitsgebiete chronischer LWS- bzw. Kniebeschwerden nur noch mit einer Pauschale von knapp € 80,00 bezahlt, gleich ob 2 oder 15 Sitzungen erforderlich sind!
Andersherum ausgedrückt sollen die Ärzte in Bayern 8 - 13 Sitzungen der Akupunktur kostenfrei erbringen!!
Arbeiten Sie auch gerne umsonst?
Und wozu wird das führen?
Genau, noch weniger Ärzte werden Akupunkturleistungen zu Lasten der Krankenkassen anbieten und Sie lieber Patient bzw. liebe Patientin werden diese in noch größerem Umfang privat bezahlen müssen.
Besonders gerecht wird dieses Chaos dadurch, daß die einzelnen Kassenärztlichen Vereinigungen der verschiedenen Bundesländer eigenständig entscheiden, d.h. in Niedersachsen werden die alten Ausbildungen nicht anerkannt, in Nordrhein-Westfalen dagegen schon, in einem Bundesland müßten Sie als Arzt eine Akupunkturprüfung ablegen, im anderen nicht und in einem Bundesland bekommen wir die Akupunktur nun eben über 2 Sitzungen hinaus nicht mehr bezahlt, im anderen noch bis zu 15 Sitzungen!

Dies hat nun alles wirklich nichts mehr mit Ihrer Gesundheit zu tun, denn die ist sowohl den Politikern wie auch Krankenkassen völlig egal, die einen wollen nur wiedergewählt werden, die anderen Gewinn verbuchen.

Patienten werden sich also leider unverändert auf weiter steigende Kosten im Gesundheitswesen einstellen müssen, legen Sie nach Möglichkeit ein wenig Erspartes für den Ernstfall beiseite oder schließen Sie eine Zusatzversicherung ab, der Leistungskatalog Ihrer gesetzlichen Krankenkasse wird weiter zusammengestrichen werden, auch wenn Politiker diese weit von sich weisen - siehe oben!

In diesem Sinne wünsche ich dennoch allen einen erholsamen Sommer!

Ihr Dr.D.Bajer





"Alles Gute zum neuen Jahr 2010",

das klingt nach Ablauf des total verschneiten Januar schon bald verspätet! Gute Wünsche kann aber wohl jeder gebrauchen, vor allem, wenn man sich die gesundheitspolitische Entwicklung anschaut. Zuletzt hatte ich noch mit verhaltenem Optimismus auf die Wahl geblickt ( siehe weiter unten ). Aber zwischenzeitlich
haben sich die schwärzesten Prognosen eher noch verdüstert. Vom neuen Gesundheitsminister weiß nach fast 100 Tagen kaum noch jemand seinen Namen ( Rößler heißt er glaube ich, oder war es Rössler? ), so wenig tritt er in Erscheinung. Die Krankenkassen beginnen, die erlaubten Zusatzbeiträge von Ihnen als Patienten einzukassieren und in meinem Fachgebiet sind die Vergütungen der Kassenärztlichen Vereinigung mittlerweile demaßen reduziert worden, das ich damit monatlich nicht mal mehr Gehälter und die Miete mit Nebenkosten meiner Praxis bezahlen kann - eine reine Frage der Zeit, wann die Fachkollegen langsam aufgeben und Sie als Patient wohl 50 KM bis zum nächsten Facharzt fahren müssen, wenn Sie denn noch Auto fahren können ( je älter, um so schwieriger, wie man weiß ). Genau dies hat die frühere Gesundheitsministerin Frau Schmidt ja gewollt, Ausdünnung der Facharztpraxen, um Kosten einzusparen. Da nützt es scheinbar auch nichts, wenn im Osten unserer Republik keine Nachfolger für altersbedingt geschlossene Arztpraxen auf dem Land zu finden sind, kein junger Kollege kann zu diesen katastrophalen Bedingungen eine Praxis eröffnen und sich dabei hoch verschulden. Trotz allen Geredes sinkt damit die medizinische Versorgung zunehmend und manche Kollegen suchen ihr Heil in einem sogenannten MVZ, einem medizinischen Versorgungszentrum. Dabei schließen sich mehrere Ärzte in einer großen Praxis zusammen, um günstiger wirtschaften bzw. einkaufen zu können. Oft stecken allerdings große Gesundheitskonzerne oder private Krankenhausbetreiber dahinter, die sich geschickt in die Praxen einkaufen und damit Zuweisung von Patienten "erkaufen". Auf der Strecke bleibt der Kassenarzt, ein ehemals freier Beruf.

In diesem Sinne Ihnen alles Gute für 2010 - und bleiben Sie möglichst gesund, Kranksein wird weiter teurer!

Ihr Dr.D.Bajer




September 2008 schreiben wir schon,

und selbstverständlich hat sich inzwischen wieder einiges Erzählenswertes in unserem vermaledeiten Gesundheitswesen zugetragen, liebe Patientin und lieber Patient!

Die bürokratischen Anforderungen an eine gewöhnliche Kassenarztpraxis nehmen groteske Formen an, Frau Schmidt ist leider immer noch im Amt und betreibt energisch die Abschaffung der Facharztpraxen. Das neue Zauberwort heißt MVZ = medizinisches Versorgungszentrum und bedeutet vereinfacht lediglich, daß sich mehrere Ärzte in einer Großpraxis zusammenschließen um damit letztlich Kosten zu sparen ( bei drei Ärzten in Einzelpraxen hatte halt jeder eine Anmeldung, jeder ein Wartezimmer, jeder ein EKG- oder Röntgengerät, etc. ). Der Preis hierfür ist allerdings eine Ausdünnung der Facharztdichte, da die Einzelpraxen ja nicht mehr existieren. Zudem öffnet Frau Schmidt die Krankenhäuser zunehmend für ambulante Behandlungen und ermöglicht mittlerweile auch Krankenhäusern bzw. deren Trägern die Übernahme von Einzelpraxen, um diese in das Krankenhaus einzugliedern. In Großstädten wie Hamburg hat das natürlich erhebliche Konsequenzen für die niedergelassenen Kassenärzte, die sich mit einem Mal der Konkurrenz aus dem Krankenhaus ausgesetzt sehen - und wer wird dabei verlieren? Richtig, der einzelne Arzt in Einzelpraxis und schwupp ist er weg!

Hinsichtlich der Akupunktur habe ich mich inzwischen wegen erdrückender Zugangsbedingungen entschlossen, die diesbezügliche Kassenzulassung nicht weiter zu beantragen, sodaß ich seit Juli diesen Jahres Akupunktur nur noch als Selbstzahlerleistung anbiete. Hintergrund sind wahnwitzige neue Forderungen der KV bzw. Krankenkassen: so soll ich trotz langjähriger Erfahrung als Akupunkturarzt, der seinerzeit eine 350-Stunden-Ausbildung absolvierte, nun eine solche mit 220 Stunden nachweisen, extra Kurse für Schmerztherapie und Psychologie zu jeweils 80 Wochenstunden ableisten ( dies bedeutet, die Praxis für insgesamt vier Wochen komplett zu schließen! ), eine erneute Prüfung in Akupunktur ablegen und jährlich regelmäßig an irgendwelchen Fallkonferenzen teilnehmen - hat man noch Töne?
Als Gegenleistung wird die Bezahlung der Akupunkturbehandlung seitens der Kassen immer schlechter und in den bereits existierenden Zusatzverträgen teilweise bereits entgeldlos aufgeführt, pauschaliert, wie man so schön sagt. Das heißt, man hat endlich einen Weg gefunden, uns Ärzten auch die Akupunktur gar nicht mehr zu bezahlen, genau so wie bei ca. einem Drittel aller von uns erbrachten Leistungen.
Sie, lieber Patient, sind somit mal wieder auserkoren, hierfür die Zeche zu bezahlen, wobei die Akupunktur unerreicht gute bis sehr gute Ergebnisse in der Schmerztherapie verschiedenster Gebiete aufweist. Täglich behandle ich weiterhin 10 - 15 Patienten mit dieser nebenwirkungsfreien Methode, die meist früher schon ihre positiven Erfahrungen sammeln konnten und gerne wiederkommen - nur leider müssen sie diese Behandlung jetzt ganz bezahlen.

Wir sind gespannt, was die Zukunft bringt, im nächsten Jahr soll ja Wahl sein. Erinnern Sie noch, wie Frau Schmidt damals antrat? Ihre Krankenkassenbeiträge sollten sinken und lagen so ungefähr bei 12%. Dank dieser Frau zahlen Sie nun noch in diesem Jahr wohl über 15% bei allen Kassen, Gesundheitsfond heißt das neue bürokratische Ungetüm.


Mit herbstlichen Grüßen

Ihr Dr.D.Bajer





Liebe Patientin, lieber Patient,


je älter man wird, um so mehr wundert man sich darüber, daß die Zeit immer schneller vergeht. Rentner, Pensionäre - oder noch eleganter ausgedrückt - Privatiers berichten mir immer wieder in der Praxis, sie hätten in diesem Lebensabschnitt noch weniger Zeit als vordem, wo sie noch in Lohn und Brot standen. Dies kann ja eigentlich nicht sein, da der berentete Bürger doch durchschnittlich acht Arbeitsstunden zuzüglich An- und Abfahrtszeit zum Arbeitsplatz mehr Zeit pro Tag für sich und die Familie haben müßte - stimmt? Es scheint so zu sein, daß diese Mehr an Zeit mit zunehmendem Alter komplett aufgebraucht wird, da wir für alle anfallenden Arbeiten wegen Rücken-, Knie- oder auch Hüftbeschwerden schlichtweg viel mehr Zeit als früher brauchen. In jungen Jahren tragen wir zwei Wasserkisten ( wer trinkt denn schon noch Bier? ) locker auf einmal in den Keller, im Alter gehen wir lieber zweimal, um jeweils nur eine dieser schweren Kisten tragen zu müssen und im hohen Alter schließlich werden wir die Flaschen unter Umständen einzeln herunterbringen müssen, da die andere Hand für den Stock oder Handlauf der Treppe benötigt wird.
Genau so erging es mir, als ich mal wieder diese Homepage aktualisieren wollte und voller Entsetzen sah, daß inzwischen eineinhalb Jahre vergangen sind - jetzt aber ran an die Schreibmaschine!

Nachdem der schönste aller April-Monate vergangen ist und sich der Himmel lang ersehnt bewölkt, um hoffentlich mal Regen auf unser schönes Land fallen zu lassen, gibt es im Grunde wenig erfreuliches von der Gesundheitspolitik dieser "neuen" Regierung zu berichten. Es vergeht kein Tag, an dem ich in der Praxis nicht erklären muß, warum diese oder jene bisher gewohnte Therapie von den Krankenkassen schon nicht mehr bezahlt wird. Völlig unverständlich gehören hierzu die Knochendichtemessung bei Verdacht auf Osteoporose = Knochenentkalkung ( ist jedoch aus diesem Grund infolge Sturz ein Wirbel gebrochen, zahlt die Krankenkasse die weitere Therapie und nachfolgende Knochendichtemessungen! ) und beispielsweise die Mammografie = Brustuntersuchung der Frau bei Verdacht auf Brustkrebs. Auch hier wird die Vorsorge nicht bezahlt, wohl aber die Nachsorge, wenn Brustkrebs aufgetreten ist. Leider muß ich seit Jahren die Erfahrung machen, daß Patienten viele Leistungen zur Krankheitsvorsorge nicht durchführen lassen, wenn sie dafür aus eigener Tasche bezahlen müssen, sodaß manche Erkrankung unbeachtet ausbrechen kann, die sonst im Frühstadium früh erkannt worden wäre. Völlig überrascht war ich vor einem Jahr von dem unverantwortlichen Verhalten vieler Mütter, die plötzlich für ihre Kinder die üblichen und seit Jahren von mir rezeptierten Einlagen bei Fußfehlstellungen nicht mehr für notwendig erachteten, da sie nun einen wesentlich höheren Beitrag für die Kindereinlagen als zuvor selber bezahlen mußten. Da hört also die Verantwortung für das eigene Kind mit der Zuzahlung auf - das kann es doch nicht sein! Wenn dann noch nachgeschoben wird, man habe gerade gebaut oder ein neuer Wagen stehe vor der Tür, die Leasing-Raten drücken, hört mein Verständnis ganz auf - dafür ist also Geld da, nicht aber für die Gesundheit der eigenen Kinder!
Natürlich ist es vordergründig ärgerlich, daß wir alle jetzt und in Zukunft immer mehr Gesundheitsleistungen aus eigener Tasche bezahlen müssen, aber deswegen darf man doch nicht die Gesundheit auf's Spiel setzen.

Wilhelm Busch soll mal gesagt haben:

"Während der ersten Hälfte unseres Lebens opfern wir unsere Gesundheit, um Geld zu erlangen, während der zweiten das Geld, um die Gesundheit zurück zu erhalten - und darüberhin geht beides von dannen."

Daraus folgt, daß Gesundheit das höchste Gut eines jeden Menschen ist - schützen und erhalten wir sie!

Zu einem anderen Thema:

Was hat sich auf dem Gebiet der Akupunktur getan?

Seit Januar diesen Jahres übernehmen alle gesetzlichen Krankenkassen 10 bis maximal 15 Sitzungen Akupunktur zur Behandlung chronischer Kreuz- ( LWS ) bzw. Kniebeschwerden bei Arthrose, was auch noch nacheinander für beide Kniegelenke und den Rücken möglich wäre, insgesamt könnten innerhalb eines Jahres also beide Kniegelenke und der Rücken mit theoretisch je 15 Sitzungen, d.h. zusammen 45 Sitzungen Akupunktur behandelt werden. Wenn man bedenkt, daß bis zum letzten Jahr die AOK lediglich 6 Sitzungen für ein Gebiet pro Jahr bewilligte, ein enormer Fortschritt, könnte man meinen, nicht? Für die AOK wird das nun natürlich sehr viel teurer wie bisher, weswegen die Zukunft gar nicht rosig aussehen kann.
Außerdem steckt der Teufel im Detail, im Kleingedruckten, will sagen, in der Bezahlung dieses vermeintlichen Fortschrittes.
Zum einen sind alle anderen bisherigen Gebiete ( Hüftschmerzen bei Arthrose und Kopfschmerzen bzw. Migräne ) komplett gestrichen worden - in noch früherer Zeit konnten wir sogar Allergien, Regelbeschwerden der Frau, etc. per Akupunktur behandlen und zum anderen wurde die zukünftige Durchführung der Akupunktur an dermaßen strenge Auflagen des Arztes geknüpft, daß ab dem Jahre 2008 die Zahle der Krankenkassenpatienten- akupunktierenden Ärzte drastisch zurückgehen dürfte. Ab sofort müssen wir eine neue Akupunkturprüfung vor der Ärztekammer ablegen, die als Voraussetzung 80 Stunden Weiterbildung Psychotherapie und nochmals 80 Stunden Schmerztherapie neben nun 200 Stunden Akupunkturkursen mit Abschlußprüfung beinhaltet. Das Unglaubliche hierbei ist, daß bisherige, viel umfassendere Ausbildungskurse in Niedersachsen nicht anerkannt werden ( so habe ich die größte Ausbildung mit 350 Stunden Akupunktur absolviert und soll dennoch erneut die Prüfung absolvieren! ).
Neben dem enormen Einkommensverlust - ein niedergelassener Arzt in eigener Praxis verdient keinen Cent, wenn er die Praxis wegen Fortbildung schließt, hat aber selbstverständlich alle weiterlaufenden Kosten der Angestellten, der Miete, Heizung, etc. voll weiter zu zahlen - ist mit dieser neuen Regelung auch die zukünftige Vergütung der Akupunktur auf sehr wackeligen Beinen gestellt worden, d.h. die Abrechnung erfolgt nun wie die meisten anderen Leistungen auch über Punkte, die in ferner Zukunft mal in Euro und Cent ausgewiesen werden sollen. Dies bedeutet, daß die Krankenkassen demnächst bei zu hohen Kosten andere Punktwerte aushandeln werden, natürlich niedrigere, sodaß sich in absehbarer Zeit die Erbringung der zeitintensiven Akupunkturbehandlung auch rein wirtschaftlich nicht mehr lohnt. Alle Ärzte aber, die jetzt mit viel Aufwand versuchen, die hoch angesetzten neuen Prüfungsanforderungen zu erfüllen, um auch langfristig überhaupt Akupunkturleistungen zu Lasten der Krankenkassen erbringen zu dürfen, sind juristisch gezwungen, zukünftig immer zu den jeweiligen Bedingungen der Krankenkassen
diese Leistung abzurechnen, streng genommen auch, wenn in 2008 hierfür überhaupt nichts mehr bezahlt würde. Einmal zugelassen zur Akupunktur = immer zugelassen. Obendrein müssen auch noch typisch deutsche neue Bürokratiehürden überwunden werden: so muß ein Kassenarzt mit Zulassung zu Akupunktur schon jetzt 4x im Jahr an sogenannten Qualitätszirkeln mit Falldemonstrationen teilnehmen, bei jedem Patienten eine aufwendige Eingangs- und Abschlußbefragung vornehmen und soll sogar die Zahl und Lage der gesetzten Nadeln dokumentieren: wiehernde Amtsschimmel oder Schildbürgerstreich sind noch milde Ausdrücke für diesen Irrsinn
deutscher Dokumentationswut! Wem nützt das alles, dem Patienten, dem Arzt, den Kassen? Niemanden, es schadet allen, kostet Zeit und Geld und verhindert, daß wir Ärzte uns auf die Behandlung der Patienten konzentrieren.

Meindes Erachtens wird der Akupunktur hierdurch ein großer Schaden zugefügt, viele Kollegen werden Sie nach 2007 nur noch als Selbstzahlerleistung anbieten, allein, um diesem bürokratischen Ungeheuer zu entgehen, von dem Frau Schmidt - unsere Gesundheitsministerin seit 6 Jahren ( ausgebildete Sonderschullehrerin - und Lehrer können ja bekanntlich alles! )
nicht genug kriegen kann. Stoppen wir sie nicht, wird sie unermüdlich an der Abschaffung der niedergelassenen Fachärzte arbeiten, wir sind ihr zu teuer und verursachen zu viele Kosten, weil Sie - liebe Patientin und lieber Patient - zu oft mit Beschwerden und Erkrankungen zu uns kommen, die wir anerkanntermaßen viel schneller und sicherer auf unserem jeweiligen Fachgebiet behandeln wie der Haus- bzw. Allgemeinarzt. In nicht ferner Zukunft werden Sie dann vielleicht 50 KM bis zur nächsten Facharztambulanz fahren müssen, was Sie im Alter alles nicht mehr können - und das will Frau Schmidt ( sie ist ja auch privat versichert, wie über 95% aller Bundestagsabgeordneten ).

In diesem Sinne einen schönen Start in die nächste Gesundheitsreform - sie kann nur schlechter werden!


Ihr Dr.Bajer im Mai 2007










Liebe Patientin, lieber Patient,

VOR DER WAHL IST NACH DER WAHL - anders kann man das traurige Ergebnis der in's Haus stehenden sogenannten Großen Koalition nicht kommentieren. Die Politiker "kleben" dermaßen an ihren Stühlen - sprich Pensionen bzw. Diäten - daß jegliche Aufrichtigkeit bezüglich der eigenen politischen Überzeugung aufgegeben wird, um ja nur an der Regierung bleiben zu können. Für das Gesundheitswesen bedeutet es, daß die nächsten Jahre wieder nichts neues geschehen wird, die dringend erforderlichen Reformen werden weiter aufgeschoben, wenn sich nun die beiden ehemaligen Kontrahenten CDU/CSU und SPD plötzlich gemeinsam in der Regierung wiederfinden. Bedauerlicherweise bleibt uns auch Frau Schmidt als Gesundheitsmninisterin erhalten, sodaß sich nichts an der trüben Aussicht ändern wird, die ich nachfolgend bereits im Mai beschrieben hatte. Im Gegenteil, es kommt alles noch viel dicker! Wie ich ich jetzt erleben muß, ziehen sich diverse Krankenkassen trotz ausgezeichneter Ergebnisse der Langzeitstudien hinsichtlich der Wirksamkeit der Akupunktur immer weiter zurück. Man bedenke: die Krankenkassen führen diverse teuer Studien zur Akupunktur durch, um insgeheim deren mangelnde Wirksamkeit beweisen zu können, erzielen jedoch das gegenteilige Ergebnis - je nach Studie 70 - 90% Erfolg - und verweigern dann zunehmend die Kostenübernahme! Die letzte Studie in Berlin betraf über 16.000 Patienten! Obwohl also Akupunktur doppelt so häufig zum anhaltenden Erfolg wie die klassischen physikalischen oder medikamentösen Therapien bei Kopfschmerz, Arthroseschmerz in Hüft-oder Kniegelenken bzw. chronischen Kreuzschmerzen führt, übernimmt die AOK nur noch 6 Sitzungen ( zu Beginn bis 15 ), die DAK bzw. BEK und sonstige Ersatzkassen statt früher 15 nur noch 10 Sitzungen und beispielsweise die AOK Bremen und IKK direct überhaupt keine Akupunktur mehr!

Ihr Dr.D.Bajer im Oktober 2005




Liebe Patientin, lieber Patient,

allerorten ist seit Anfang 2005 von der leidigen "Praxisgebühr" die Rede. Diese müßte eigentlich Krankenkassengebühr heißen, da Ihr Arzt sie nur für die Krankenkasse einnimmt und dann an diese weiter überwiest. Der Gesetzgeber bürdet uns Ärzten die enorme Last der Verwaltungsarbeit und -kosten auf, zugute kommt die Gebühr aber den Krankenkassen - obendrein entsteht der Eindruck, wir Ärzte würden uns an den Patienten bereichern, was schlichtweg falsch ist.
Traurigerweise ist dies nicht das einzig Negative, was uns Frau Gesundheitsministerin Schmidt beschert, es kommt noch viel dicker!

Die SPD mit den Grünen und federführend eben Frau Schmidt haben sich zur Kostensenkung im Gesundheitswesen dermaßen einschneidende Gängelungen der niedergelassenen Ärzte ausgedacht, daß die Zukunft für die Patientenversorgung alles andere als rosig ist.
Zunächst sollen ca. 30 % aller Facharztpraxen in den kommenden Jahren schließen. Weniger Facharztpraxen bedeuten weniger Patientenkontakte und somit weniger Kosten. Wenn Ihre Rückenschmerzen nur beim Hausarzt mit Salben und Tabletten behandelt werden, kommt es kurzfristig billiger, als wenn Sie beim Orthopäden nach fachgerechter Untersuchung, Röntgenaufnahme der Wirbelsäule ( z.A. von Bandscheiben- oder Wirbelkörperverschleiß, Osteoporose oder einer Seitverkrümmung der Wirbelsäule, bzw. Beinverkürzung ) gezielt versorgt werden. Dieses ist jedoch eine Milchmädchenrechnung, denn wer monatelang zum Hausarzt geht, um dann entnervt bei anhaltenden Beschwerden doch zum Facharzt zu wechseln, wo ihm innerhalb einer Stunde die Schmerzen genommen werden, weil lediglich eine Gelenkblockade eines Wirbels gelöst werden mußte, kommt die Gemeinschaft natürlich ungleich teurer, als wenn er gleich zum Facharzt gegangen wäre. Oder versuchen Sie, Ihren defekten Videorecorder zunächst beim Hausmeister reparieren zu lassen?
Das Fachpraxensterben ist das erklärte Ziel von Frau Schmidt und sie erreicht es u.a. mit der neuen Gebührenordnung ( sog. EBM ), die seit dem 1.4.05 in Kraft ist. Geschickterweise wurden hier Gebühren für erbrachte Leistungen so mit einheitlichen Zeitvorgaben gekoppelt, daß niedergelssene Ärzte in eigener Praxis rasch entweder den erlaubten Abrechnungsrahmen oder vorgegebenen Zeitrahmen pro Tag/Monat/Quartal überschreiten werden, beides darf nicht sein und hat entsprechende Strafen zu Folge. Je mehr sich ein niedergelassener Arzt also für seine Patienten engagiert, Gespräche führt, lange arbeitet - umso weniger verdient er!
In einigen Jahren werden Sie also u.U. statt 25 KM auf dem Lande 50 KM bis zur nächsten Poliklinik fahren müssen, MVZ = Medizinisches Versorgungs-Zentrum heißt das auf neudeutsch. Schon wegen der Entfernung reduzieren Sie also die Häufigkeit Ihrer Arztbesuche, im Alter können Sie das auch gar nicht mehr, weil Sie nicht mehr Auto fahren können oder keinen Fahrer haben, dann kostet so ein Arztbesuch auch gleich den ganzen Tag. Für irgendwelche regelmäßigen Therapien wie Strecken, Massagen, Spritzen, Akupunktur, etc. gibt es natürlich erst recht keine Chance mehr, zwei mal die Woche 100 KM für eine 20-minütige Behandlung fahren überlegt man sich, nicht wahr? Und genau das denkt Frau Schmidt auch. Sie selber ist natürlich privat versichert und deswegen von Ihren Reformen nicht betroffen!
Das schon heute Arztpraxen keine Arzthelferinnen mehr einstellen und auch nicht mehr ausbilden, ist die logische Folge dieser patientenfeindlichen Politik. Wird die Facharztpraxis über Jahre in Ihrer Existenz gefährdet, sind die finanziellen Reserven aus früheren Jahren aufgebraucht. Personal wird entlassen, Sie als Patient haben in den Praxen mehr Wartezeiten, notwendige Modernisierungen können nicht erfolgen, die Praxen veralten. Da keine vernünftigen Verdienstmöglichkeiten trotz extrem langem Studium mit anschließender Facharztausbildung in der freien Praxis bestehen, sinkt die Attraktivität der eigenen Praxis, wer will sich unter solchen Bedingungen noch niederlassen? Niemand, siehe die ärztliche Unterversorgung in den neuen Bundesländern, wo die Politik mit Ihrer selbst verschuldeten Misere händeringend nach Ärzten sucht - aber die Praxen bleiben reihenweise leer.
Somit hat die Politik auch noch die Altersversorgung der niedergelassenen Ärzte auf dem Gewissen, denn nach 20 oder 30 Jahren Praxistätigkeit hatte bisher der Arzt seine Praxis an den Nachfolger verkaufen können, um seine Altersvorsorge zu garantieren. Selbst das geht heute nicht mehr, wer wollte schließlich eine Facharztpraxis ohne Zukunfts- oder Verdienstaussichten kaufen, die vielleicht in in paar Jahren ganz geschlossen werden soll? Ergo sinken die Preise zum Praxisverkauf. Somit gefährdet Frau Schmidt nicht nur die Existenz Ihrer fachärztlichen Versorgung sondern letztlich auch unsere Altersvorsorge - zusammen eine Katastrophe.
Insgesamt werden Sie als Patient gezwungen werden, sich für alles und jedes privat zusätzlich zu versichern, die gesetzliche Krankenversicherung wird langfristig nur noch eine Grundversorgung gewährleisten.
Es kommen harte Zeiten auf Sie als Patient zu - und die nächsten Wahlen.
Irgendein schlauer Mann sagte mal:

" Der Staatsmann denkt an das Volk, der Politiker an die nächste Wahl"


So, das soll für heute ( 15.5.05 )genug sein, nun das bekannte




Praxisbulletin


^Nachfolgend erscheint in kontinuierlicher Bearbeitung mein Praxisbulletin, welches auch in allen Behandlungsräumen aushängt
und ergänzende Informationen zur Praxis selber sowie der medizinischen Versorgung enthält.^




Liebe Patientin, lieber Patient,


vier Jahre konnte ich mich mit Händen und Füßen gegen die ständigen Ermahnungen wehren, doch endlich das Praxisbulletin fortzusetzen - jetzt ergebe ich mich in mein selbst gewähltes Schicksal und verfasse eine weitere Ausgabe, vermutlich nicht die letzte!

Vier Jahre von der letzten bis zur jetzigen Ausgabe sind eine unverzeihlich lange Zeit, ich weiß, aber die tägliche Routine einer orthopädischen Facharztpraxis ohne Kompagnon verschlingt tatsächlich einen Großteil des Alltages: unter 10 - 12 Stunden Praxis sowie 1 - 2 Stunden Schreibtischarbeit zu Hause mit Buchführung, Rechnungswesen, Bestellungen, Gehaltsführung
und Fachliteratur lesen ist kein Tag zu schaffen!

Da auch ich zwischendurch mal Hunger verspüre oder entspannt im Wohnzimmer mit schöner Musik vor dem Kamin im Ohrensessel sitzen möchte ( vielleicht mit der Liebsten im Arm....), reichen die lächerlichen 24 Stunden des angebotenen Tages meist eh nicht aus, sodaß ich mir regelmäßig Zeit vom nächsten Tag borge.

Doch genug der Ausreden!

Das Hauptthema dieser Ausgabe soll die Zukunft unseres Gesundheitswesens sein. Hier kündigen sich dermaßen eingreifende Veränderungen an, dass ich schon jetzt besorgte Patientenanfragen täglich beantworten muß und letztlich doch nicht kann, da es keinerlei Konzept seitens der Regierung gibt.

Sämtliche angekündigten Reformen werden immer wieder aus wahltaktischen Gründen zurückgestellt ( erst Bundestagswahl, jetzt Landtagswahlen ), halb zu Ende gedacht und dann doch wieder verworfen oder von Kommissionen erarbeitet, in denen nicht mal Ärzte vertreten sind.

Ganz aktuell stellt sich in Zeven die Problematik des Martin-Luther-Krankenhauses ein, die Gesundheitsreform mit den Sparmaßnahmen macht sich also auch schon in unserer Stadt bemerkbar.

Bevor ich also auf die Probleme der kommenden Gesundheits-“Reform“ - wenn es denn eine solche wird - eingehe, möchte ich kurz auf drei weitere Themen zu sprechen kommen:

1. „Warum muß denn nun schon wieder geröntgt werden?“

2. Neuerungen unserer Praxis

3. Modellvorhaben Akupunktur der gesetzlichen Krankenkassen




1.
Nahezu täglich treffen mich vorwurfsvolle Blicke besorgter Patienten, wenn sie von mir hören, dass sie jetzt erst mal zum Röntgen gehen müssten, bevor die jeweilige Diagnose und natürlich auch Therapie besprochen werden könnten. Die Strahlenbelastung sei doch zu hoch!

Richtig ist, das heute ständig neue Röntgenverordnungen erlassen werden, die nur mit leistungsfähigen Generatoren, hochauflösenden Filmen und empfind- lichen Verstärkerfolien einzuhalten sind. So darf beispielsweise längst nicht jeder Facharzt mit einer Röntgenanlage Kinder röntgen, da hierfür besonders
strahlungsarme Verfahren vorgeschrieben sind, die nicht von allen Anlagen erfüllt werden.

Richtig ist aber auch, dass Sie als Patient kaum auf die Idee kämen, mich zu fragen, ob Sie morgen nach Los Angeles fliegen dürften, da Ihnen die erheb-liche Strahlenbelastung während des mehrstündigen Fluges Sorge bereite. Diese Strahlungsbelastung ist ungleich höher als die angefertigter Röntgenaufnahmen.

Warum nun sind Röntgenbilder so wichtig?

Der wichtigste Grund ist, vor einer etwaigen Therapie zu erkennen, dass keine anderweitige schwere Erkrankung an Knochen oder Gelenken vorliegt, die übersehen wird bzw. durch die geplante Behandlung verschlimmert werden könnte. Paradebeispiel ist hierbei ein bösartiger Tumor = Krebs.

Wenn ich Knieschmerzen eines erwachsenen Patienten mit äußerlich altersentsprechender Beweglichkeit über Monate mit den üblichen Methoden wie Verbänden, Spritzen, Bestrahlungen, Krankengymnastik, etc. behandele und wegen Erfolglosigkeit schließlich doch Röntgenaufnahmen anfertigen lasse, wo sich ein bösartiger Tumor beispielsweise des Schienbeinkopfes zeigt, an
dem der Patient schließlich verstirbt, habe ich eine möglichst frühzeitige Behandlung des Tumors erschwert, da er mangels Röntgenaufnahme nicht erkannt wurde.

Eventuell hätte dann der Patient doch noch durch eine Operation, Bestrahlung oder gar Amputation des Beines gerettet werden können. In jedem Fall trifft mich eine Mitschuld und kein Richter in Deutsch-land würde mich frei sprechen, schon gar nicht die Angehörigen des Patienten. Gleiches gilt für die häufigste Erkrankung in einer orthopädischen Praxis, dem oft chronischen Rückenschmerz.

Wenn bei einem Patienten mit Rückenschmerzen unerkannt gleichzeitig eine Krebserkrankung vorliegt ( z.B. in der Lunge, der Prostata oder der Brust ), so könnte diese bekanntermaßen Tochtergeschwüre = Metatstasen in Rippen oder Wirbelkörper aussenden.. Diese Krebserkrankung mag frisch sein oder auch 7 Jahre her, wer sagt uns, dass der Körper frei sei von Krebszellen?

Hat sich der Patient nun beispielsweise einen Rückenwirbel bzw. das dazugehörige Rippen-Wirbelgelenk bei einer Zufallsbewegung ausgerenkt ( wir sagen besser „blockiert“ ), könnte mein Wiedereinrenken mit dem bekannten kurzen Ruck solch einen befallenen Wirbel erheblich schädigen. Liegt dieser etwa im Bereich der Brustwirbelsäule, wäre sogar eine Querschnittslähmung möglich!

Genauso so sieht es mit der Osteoporose aus - am häufigsten bei Frauen nach Beendigung der Regel. Entkalkte Knochen sind relativ weich und damit empfindlich auf mechanische Belastungen, Rippen brechen teilweise spontan ohne Unfallereignis.

Beim Rheumapatienten sind Lockerungen der Kopfgelenke am Übergang des Schädels zum oberen Halswirbel bekannt, die die ansonsten sehr angenehme und erfolgreiche Streckbehandlung der Halswirbelsäule verbieten würden.

Leider gibt es auch bei Kindern Tumoren - etwa an Hüften oder Kniegelenken - die natürlich um alles in der Welt sofort behandelt werden müssten.

Entzündungen dürfen nicht vergessen werden, diese können auch den Knochen befallen ( bei Rheuma, Schuppenflechte, Tuberkulose zum Beispiel ) und dann im Röntgenbild an den Wirbelkörpern, Hüft- oder Kniegelenken sichtbar werden.

Andererseits müssen aber sehr viele Röntgenbilder umsonst angefertigt werden, d.h. es ist eben nichts Krankhaftes darauf zu erkennen, um die wenigen schweren Erkrankungen „ herauszufischen“.

Erst an zweiter Stelle ist zur Notwendigkeit der Röntgenaufnahmen die Beur-teilung des jeweiligen Abschnittes am Bewegungsapparat zu nennen, das heißt, hat die Patientin eine schiefe Wirbelsäule, wie ausgeprägt sind die Abnut-zungszeichen, liegt beim Kind eine Wachstumsstörung oder gar ein Abrut-schen der Wachstumszone an der Hüfte vor, die als orthopädischer Notfall sofort operiert werden müßte?

Ist ein Bein zu kurz, sodaß es zur Verhinderung von Rückenschmerzen ausgeglichen werden muß? Von außen sind nur die Beckenkämme zu tasten mit ein bischen „Isolationsschicht“ obenauf. Was ich taste, entspricht längst nicht immer dem, was nachher im Röntgenbild zu Tage tritt.

Bei Kinder beurteile ich oft eine Wirbelsäulenverkrümmung als links- oder rechtsseitig und werde dann durch das Röntgenbild völlig überrascht: die Krümmung ist tatsächlich genau anders herum! Wenn ich nun ohne Röntgen-bild dem Krankengymnasten auf das Rezept „Linksseitausbiegung der Wirbel-säule“ schreibe ohne ein Röntgenbild angefertigt zu haben, kräftigt dieser unter Umständen ständig die falschen Muskeln und verschlimmert die Seitverbiegung!

Sie sehen, es gibt tausend und noch mehr Gründe, nicht auf ein Röntgenbild in der Orthopädie zu verzichten, zu wichtig ist die Darstellung der Knochen und Gelenke, zu gefährlich das Übersehen bösartiger oder sonst wie gefährlicher Erkrankungen.


2.
Neuerungen in der Praxis


Besonders stolz bin ich auf unser neues Knochendichtemessgerät SONOST 2000, womit eine Osteoporose bestätigt oder ausgeschlossen werden kann.

Vergleichende Untersuchungen von Tausenden von Patienten haben erfreu- licherweise nachweisen können, dass die Knochendichte mit modernen Ultra- schallsystemen vergleichsweise genau zu bestimmen ist, ohne dass - wie bisher üblich - Untersuchungen per CT = Computertomografie mit entsprechender Strahlenbelastung für den Patienten erforderlich sind.

Außerdem musste der Patient dafür stets nach Rotenburg oder Stade fahren. Bei unserem System erfolgt die Messung dagegen per Ultraschall einfach an der Ferse eines Fußes und innerhalb von 5 Minuten liegt der Befund ausgedruckt vor, sodaß ich ihn
sofort besprechen und gegebenenfalls auch gleich notwendige Medikamente empfehlen bzw. verordnen kann.

Die verminderte Knochendichte = Osteoporose gehört zu den häufigsten Erkrankungen mit einer hohen Anzahl von Folgeschäden. Die betroffenen Patienten leiden oft unter diffusen Rückenschmerzen, bemerken einen zunehmen-den Rundrücken, werden vom Gefühl immer kleiner und ziehen sich schon bei leichten Stürzen Brüche der Wirbelkörper, Oberschenkelhälse ( Hüften )
oder Rippen zu.

Da in der Regel ältere Patienten betroffen sind, führt beispielsweise ein Oberschenkelhalsbruch dann zur Operation mit Einsetzen
einer sogenannten Hüftendoprothese. Leider ist genau das die Operation mit
der höchsten Rate an nachfolgenden Thrombosen, die wiederum sehr oft zu einer Lungenembolie mit in dem Alter oft tödlichem Ausgang führt. Somit gilt es, die Osteporose möglichst früh zu erkennen!

Wie kann der Osteoporose nun begegnet werden?

Die Therapie ist erfreulicherweise einfach durchzuführen, gut verträglich und in jedem Fall günstiger, als jährlich Tausende von Patienten mit Wirbel- oder Hüftbrüchen in Krankenhäusern behandeln zu müssen.

Zunächst beginnt die medikamentöse Therapie mit der Gabe von Calzium in Form von Kautabletten, Brause-Tabletten zum Auflösen in Wasser oder solchen zum Schlucken. Da Calzium nur mittels des Vitamines D3 im Darm aufgenom-men werden kann, kombiniert man beide Medikamente sinnvollerweise.

Darüberhinaus sollte der Patient kein Stubenhocker sein und regelmäßig an die frische Luft gehen, wo er seine Haut dem Tageslicht bzw. dem in unseren Breitengraden leider nicht so häufigen Sonnenlicht aussetzt - das Vitamin D3 selber
braucht durch die Haut dringendes Licht, um überhaupt aktiv sein zu können. Stubenhocker, Raucher und Alkoholiker verlassen die Wohnung statistisch seltener und sind deswegen anfälliger für eine Osteoporose ( neben den Ernäh- rungsproblemen natürlich ).

Zeigen die Kontrolluntersuchungen der Knochendichte nach 6 Monaten keine erkennbare Besserung oder halten sich die Beschwerden hartnäckig, werden zusätzlich noch weitere Medikamente verordnet, die außer der Förderung des
Knochenanbaues ( Calzium + Vitamin D3 ) ganz gezielt den Knochenabbau hemmen - somit rückt man der Osteoporose von beiden Seiten zu Leibe.

Beides ist eine Langzeittherapie und muß über Jahre eingenommen werden, da die Osteoporose mit wachsendem Alter schlicht fortschreitet und beispiels -weise bei der Frau durch die Hormonumstellung nach den Wechseljahren unvermeidlich ist.

Ein weiteres Medikament ist das Natriumfluorid, welches eine Art Ersatzknochen aufbaut, aber insgesamt nur maximal 3 Jahre eingenommen werden sollte. In seltenen Fällen können auch hormonell wirksame Stoffe erforderlich sein.


Nun zu etwas ganz anderem aus der Rubrik „Neuerungen in dieser Praxis“, zum bargeldlosen Bezahlen.


Kein Arzt brauchte sich früher mit diesem Thema beschäftigen, weil kein Patient in der Arztpraxis etwas bezahlen brauchte, das übernahmen stets die Krankenkassen. Privatpatienten erhielten auch schon vor Jahrzehnten Rechnungen in’s Haus geschickt, aber bar bezahlen musste der Patient nicht.

Mittlerweile sieht die Welt ganz anders aus: Mehr und mehr Leistungen werden von den Krankenkassen nicht mehr übernommen oder nur teilweise bezahlt, sodass der heutige Patient zunehmend „zur Kasse gebeten“ wird.

Da nicht jeder ständig ausreichend Bargeld bei sich führt, biete ich in meiner Praxis einen sogenannten Kartenterminal an, damit Sie auf Wunsch auch bargeldlos bequem mit der EC-Karte Rechnungen begleichen können, so wie wir es alle auch in Kaufhäusern oder Tankstellen gewohnt sind.


Damit möchte ich dieses Ausgabe des Praxisbulletin schließen und ziehe mich kurzfristig mit wunden Fingern auf mein Sofa zurück.

Ihr Dr.D.Bajer